{"id":1439,"date":"2026-01-03T14:31:38","date_gmt":"2026-01-03T13:31:38","guid":{"rendered":"https:\/\/mark-schoder.de\/?p=1439"},"modified":"2026-04-01T11:16:15","modified_gmt":"2026-04-01T09:16:15","slug":"vertrieben-und-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mark-schoder.de\/en\/vertrieben-und-vergessen\/","title":{"rendered":"Vertrieben und vergessen: Fr\u00fcher folgten sie den Wolken, heute s\u00e4en die Sahrauis im Garten des Teufels"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Vor 50 Jahren drang die Kolonialmacht Marokko in die Westsahara ein. Tausende Sahrauis flohen in die lebensfeindliche Hamada-W\u00fcste, wo sie seitdem in Fl\u00fcchtlingslagern ausharren. Dort legen immer mehr Familien G\u00e4rten an: Oasen des Widerstands, aus denen sie Hoffnung sch\u00f6pfen. Diese Reportage folgt vier Menschen, die eigene Wege des \u00dcberlebens suchen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Text und Bilder: Mark Schoder<br>Portr\u00e4tbilder: Niklas Thalmann<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1444\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-17-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Drei zentrale Personen, die drei \u00dcberlebensstrategien verk\u00f6rpern: Umweltbildungsexpertin Najla Mohammed-Lamin, K\u00fcnstler Mohamad Suleiman und Agraringenieur Taleb Brahim.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als vor Kurzem ihre Oma im Lager starb, begann etwas in Fatima Baschir zu welken. Fatimas Oma hatte sie und ihre Schwestern grossgezogen. In den Geschichten ihrer Oma lebte die Westsahara auf, wenn sie ihren Enkelinnen von der verlorenen Heimat erz\u00e4hlte: Wie frei sie damals waren, als sie mit ihren ewigen Begleiterinnen, den Ziegen und Kamelen durch die W\u00fcste zogen. Den Atlantik im R\u00fccken folgten sie den Wolken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Oma habe stets vor Zuversicht gestrahlt. Auch noch, nachdem die Not eingebrochen war: Als vor 50 Jahren die marokkanische Armee Phosphor und Napalm regnen liess und Zehntausende Sahrauis in die s\u00fcdalgerische W\u00fcste trieb.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1452\" style=\"width:650px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-5-von-38-min-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fatima Baschir kritisiert einen ziellosen Optimismus unter den Sahrauis.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Hamada-W\u00fcste, die oft als \u00abGarten des Teufels\u00bb bezeichnet wird, bauten Sahrauis ihre Zelte auf und formten Lehmh\u00fctten. F\u00fcnf Lager wuchsen heran, verbunden durch Strassen, die sich im Horizont verlieren. Das Exil auf engem Raum zwang die ehemaligen Nomad:innen zu siedeln \u2013 an einem der lebensfeindlichsten Orte der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Lagerjahren baute Fatimas Oma eine Grundschule auf. \u00abIch habe sie bewundert\u00bb, sagt Fatima. In ihr will jedoch kein Licht mehr brennen.<\/p>\n\n\n\n<iframe title=\"Die sahrauischen Fl\u00fcchtlingslager in S\u00fcdalgerien\" aria-label=\"Locator-Karte\" id=\"datawrapper-chart-lIbaC\" src=\"https:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/lIbaC\/5\/\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"width: 0; min-width: 100% !important; border: none;\" height=\"520\" data-external=\"1\"><\/iframe><script type=\"text\/javascript\">window.addEventListener(\"message\",function(a){if(void 0!==a.data[\"datawrapper-height\"]){var e=document.querySelectorAll(\"iframe\");for(var t in a.data[\"datawrapper-height\"])for(var r,i=0;r=e[i];i++)if(r.contentWindow===a.source){var d=a.data[\"datawrapper-height\"][t]+\"px\";r.style.height=d}}});<\/script>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fatima gr\u00e4bt nach Hoffnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Aus Fatimas Sicht muss Hoffnung geerdet sein und Wurzeln schlagen. Nur so k\u00f6nne Hoffnung wachsen. Allerdings verweigerten sich viele Sahrauis der Realit\u00e4t, findet Fatima. Sie pflegten einen blinden Optimismus, eine \u00abfucked up hope\u00bb, wie sie ihn nennt. \u00abNichts zu tun und trotzdem auf die R\u00fcckkehr zu hoffen, bedeutet nur Naivit\u00e4t.\u00bb Die letzten 50 Jahre in den Lagern beschreibt sie als Stillstand, den Bruch ihrer Oma von der Nomadin zur Sesshaften als hart.<\/p>\n\n\n\n<p>Fatima sitzt auf einem Tuch am Rand der Sand\u00e4cker. Neben ihr giesst ihr Fahrer Gr\u00fcntee von einem Glas ins andere. F\u00fcr Fatima ist Hoffnung ein Verb: \u00abHoffen ist kein Gef\u00fchl, sondern heisst, mein Bestes zu geben.\u00bb Die Ergebnisse ihres Hoffens spriessen aus dem Boden: K\u00fcrbisse gedeihen auf offenem Feld. Hier und in zwei Gew\u00e4chsh\u00e4usern verwandelt Ziegenkot den Sand in N\u00e4hrboden, auf dem Melonen, Paprika und Auberginen wachsen. Ein Wall aus 5000 Bambuspflanzen soll vor dem Wind sch\u00fctzen, der den Boden abtr\u00e4gt. Oliven- wechseln sich mit Feigenb\u00e4umen und Weinreben ab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"padding:56.25% 0 0 0;position:relative;\"><iframe src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/1179147854?badge=0&amp;autopause=0&amp;player_id=0&amp;app_id=58479\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write; encrypted-media; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" style=\"position:absolute;top:0;left:0;width:100%;height:100%;\" title=\"Interview mit Fatima Baschir gefl\u00fcchtete Sahraui\"><\/iframe><\/div><script src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/api\/player.js\"><\/script>\n\n\n\n<p>Zwei Katzen klettern auf einem Berg alter Schl\u00e4uche. V\u00f6gel zwitschern in der K\u00fchle der Quelle und flattern in die Krone des einzigen Baums, an den sich eine H\u00fctte schmiegt. Eine Pumpe aus Algier filtert das Brackwasser und saugt es in aufgestochene Schl\u00e4uche. An heissen Tagen f\u00fcllt Fatima ein Betonbecken, in dem Schmutz absinkt. Das Becken wird dann zum Swimmingpool f\u00fcr Nachbarskinder \u2013 ein Luxus, der aus der Not geboren ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren startete Fatima mit britischer Antriebshilfe das Projekt \u00abGrowing Hope\u00bb. Hitze und Wind vernichteten ihre erste Ernte. Vor kurzem grub Fatimas Team 15 Tonnen Zwiebeln aus. Ein grosser Teil verrottete, weil eine Hitzewelle zur schnellen Ernte zwang, sie aber keinen Lastwagen fanden. Letzten Winter erntete sie Hunderte Kilo Auberginen, Paprikas und Honigmelonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den in den Lagern bekannten Gurken, Tomaten und Zwiebeln f\u00fchrt Fatima jedes Jahr neues Gem\u00fcse ein. Aktuell bewirbt sie die Rote Bete, mit der die Sahrauis noch fremdeln. In Brosch\u00fcren erkl\u00e4rt Fatima, was in den roten Bollen steckt. Sie will die Di\u00e4t der Sahrauis bereichern, die jahrhundertelang nur aus Kamelfleisch, Milch, Datteln und Weizenbrot bestand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1478\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/hamdi-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hamdi ist Teil von Fatimas \u00abGrowing Hope\u00bb-Team und h\u00e4uft den Sand an. Er lebt das ganze Jahr \u00fcber am Rand der Felder in einer H\u00fctte.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sie hegt einen Traum: Ihre Felder in ein Zentrum f\u00fcr psychisch kranke Menschen zu verwandeln. Sie weiss, wie gut es tut, zu s\u00e4en und zu ernten. Insbesondere, weil der Kontrast ins Auge sticht: Unter den Staub- und Benzinglocken der Lager fliegen selten V\u00f6gel, kein Baum spendet Schatten, die Menschen husten. Fatima sagt: \u00abLeide ich dort unter vielen \u00c4ngsten, ruhe ich hier draussen in mir.\u00bb Fatima studierte in Algerien und schl\u00e4ft ausserhalb der Lager: Sie zieht ihre drei Kinder in Tindouf gross.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>50 Jahre Vertreibung: Die Westsahara gilt als letzte Kolonie Afrikas<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-02\/westsahara-konflikt-marokko-polisario-front-saharaui-faq\">1975<\/a> marschierte Marokkos Armee in die Westsahara ein. Die Kolonialgeschichte des Landes beginnt jedoch fr\u00fcher. 1884 teilten die europ\u00e4ischen M\u00e4chte den afrikanischen Kontinent unter sich auf. Spanien erhielt einen W\u00fcstenstreifen gegen\u00fcber den Kanarischen Inseln \u2013 die Westsahara. 1973 begann die nationale Befreiungsbewegung der Sahrauis, die Polisario-Front, milit\u00e4rische Infrastruktur zu sabotieren. Ihr Ziel: Die Kolonialmacht aus ihrem Land zu dr\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Bald darauf hatte Spanien angek\u00fcndigt, ein Referendum abzuhalten, bei dem die Bewohner:innen der Westsahara \u00fcber ihren zuk\u00fcnftigen Status entscheiden sollten. Marokkos K\u00f6nig Hassan II. nutzte die Schw\u00e4che Spaniens und begann am 7. November 1975 mit dem \u00ab<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2545\/fuenfzig-jahre-gruener-marsch\/wir-werden-auf-kein-einziges-sandkorn-verzichten\/!3TCQPCJTKDYT\">Gr\u00fcnen Marsch<\/a>\u00bb auf die Westsahara. Seine Armee trieb die H\u00e4lfte der sahrauischen Bev\u00f6lkerung in die Hamada-W\u00fcste. Hunderte starben auf der Flucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Beim Madrider Abkommen Ende November 1975 \u00fcberf\u00fchrte Spanien seine Kolonie de facto in eine marokkanische und mauretanische Verwaltungshoheit. Am 26. Februar 1976 endete die spanische Kolonialherrschaft offiziell \u2013 sie w\u00e4hrte 91 Jahre lang. Am darauffolgenden Tag wurde ein unabh\u00e4ngiger Staat, die Demokratische Arabische Republik Sahara gegr\u00fcndet. K\u00fcrzlich gab der UNO-Sicherheitsrat bekannt, einen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/westsahara-konflikt-un-resolution-marokko-li.3333249\">Autonomieplan Marokkos<\/a> zu unterst\u00fctzen. Das angek\u00fcndigte Referendum r\u00fcckt damit in <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2433\/westsahara\/ein-lehrstueck-ueber-recht-und-macht\/!DS2P2VF0PSXJ\">weite Ferne<\/a>. Bislang ist unklar, welche Schritte der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/westsahara-marokko-un-sicherheitsrat-resolution-autonomie\">Autonomieplan<\/a> vorsieht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Najla s\u00e4t das Wissen<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Hamada sind die Sahrauis den W\u00fcstenextremen ausgesetzt. 2015 zerst\u00f6rte eine Sturzflut die Lager. Das <a href=\"https:\/\/mark-schoder.de\/en\/das-tote-meer-stirbt-und-nu\/\">Wasser<\/a> frass sich in die Lehmh\u00e4user, riss sie fort und zerst\u00f6rte das Lager Dakhla. Bei einem Augenschein zeigt ein Ehepaar auf die Ruinen seines Anwesens. Daneben steht der Umriss eines neuen Hauses, an dem sie seit zehn Jahren bauen. Seit der Pandemie explodieren die Kosten f\u00fcr Beton und Zement. Und sie isolieren schlecht. Die Sommerhitze \u00e4ngstige sie aber nicht, sagt die Frau. Sie f\u00fcrchte den n\u00e4chsten Regen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1470\" style=\"width:650px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dakhla-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die zentrale Einkaufsmeile im Fl\u00fcchtlingslager Dakhla: von den Sturzfluten 2015 verw\u00fcstet.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dabei klettern die Temperaturen an einigen Tagen \u00fcber die 50-Grad-Grenze. Im Sommer steht das \u00f6ffentliche Leben still. Die Sahrauis ziehen sich zur\u00fcck in H\u00e4user und Zelte. F\u00fcr mehrere Monate schliesst jede Schule, jede Behindertenwerkstatt. Dann bestraft die Hamada-W\u00fcste kleinste Fehler: Menschen sterben, weil sie sich in der W\u00fcste verirren oder ihren Kopf nicht bedecken. Offizielle Zahlen zu Hitzetoten fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDas sind Sommer, die f\u00fcr Skorpione und Eidechsen gemacht sind. Wir schmelzen und schwimmen in unserem Schweiss\u00bb, sagt Najla Mohammad-Lamin. Sie will ihre Gemeinschaft vor Klimaextremen sch\u00fctzen und die \u00abschreckliche\u00bb Lagerrealit\u00e4t abfedern. Najla gr\u00fcndete eine Kinderbibliothek und versorgt junge M\u00fctter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1505\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-7-von-38-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Najla Mohammad-Lamin will Kinder an ihre W\u00fcstenumwelt und das nomadische Erbe heranf\u00fchren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Hintergrundgespr\u00e4chen mit Vertreter:innen der Vereinten Nationen heisst es: Die Situation f\u00fcr die 176&#8217;000 Gefl\u00fcchteten in den Lagern sei \u00absehr, sehr schlecht\u00bb. Die UN-Nahrungspakete gehen an 77 Prozent der Menschen \u2013 und sie fallen mager aus: Sie enthalten meist Mehl und Linsen. Ein aktueller Gesundheitsbericht aus den Lagern warnt: Jede vierte Familie k\u00e4mpft mit Mangelern\u00e4hrung. Vor drei Jahren lag der Wert noch bei drei Prozent. 65 Prozent der Kleinkinder leiden unter Blutarmut. Die Preise auf den M\u00e4rkten haben sich seit der Pandemie verdreifacht. 40 Prozent der Haushalte m\u00fcssen mit 19 Litern Wasser pro Tag leben. In Deutschland nutzt jede Person <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/private-haushalte-konsum\/wohnen\/wassernutzung-privater-haushalte\">126 Liter<\/a> Trinkwasser pro Tag. Die humanit\u00e4re Lage versch\u00e4rft sich, weil sich Geberl\u00e4nder wie die USA komplett und Deutschland zur H\u00e4lfte zur\u00fcckgezogen haben. Ganze Sektoren wie Wasser, Sanit\u00e4r und Hygiene stehen ab 2026 vor dem finanziellen Aus. Was das f\u00fcr die Sahrauis bedeutet, weiss niemand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1485\" style=\"width:650px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Diplomarbeit-22-min-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick auf Boujdour, das kleinste der f\u00fcnf Fl\u00fcchtlingslager in S\u00fcdalgerien.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Umweltbildungsexpertin Najla arbeitet unerm\u00fcdlich gegen die Not an. Wenn sie nicht gerade in der Bibliothek vorliest oder ihre eigenen Kinder umsorgt, steigt sie auf Podien in Algier oder reist nach Europa, um sahrauischen Frauen eine Stimme zu geben. Najla wuchs gl\u00fccklich in den Lagern auf, studierte in den USA. In den globalen Norden wollte sie nie ziehen: \u00abMein Platz ist unter den Sahrauis. Hier werde ich gebraucht. Wegrennen ist keine L\u00f6sung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1473\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/wassertanker-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Najla Mohammad-Lamin hatte ihn lang ersehnt: Mitte Dezember f\u00e4hrt ein Wassertruck vor, f\u00fcllt aber nur eines ihrer zwei Wasserpolster.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das, was Sahrauis auszeichnet, versucht Najla auch in Architektur zu giessen: Widerstandsf\u00e4hig m\u00fcssen die Geb\u00e4ude sein. Ihre Bibliothek steht auf Autoreifen, die vor Fluten sch\u00fctzen. Die R\u00e4ume liegen in lehm-isolierten Frachtcontainern, in die Licht durch eine Land Rover-Scheibe f\u00e4llt. Ein mehrschichtiges Dach soll vor St\u00fcrmen sch\u00fctzen, die manche H\u00e4user \u00ab\u00f6ffnen, wie wenn wir den Deckel vom Joghurtbecher ziehen\u00bb, sagt Najla. Auch sie unterh\u00e4lt G\u00e4rten, die erst der Extremhitze und dann den Mottenschildl\u00e4usen erlagen. Im folgenden Jahr s\u00e4te sie erneut: \u00abEs ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas w\u00e4chst. Was ich tue, wird fruchten.\u00bb Und tats\u00e4chlich: Im Rund ihres Gartens spitzelt das erste Gr\u00fcn hervor. Knoblauch, Tomaten, Petersilie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Haus baute Najla in den letzten 15 Jahren dreimal wieder auf. Wie im Katastrophenfilm \u00fcberlebte Najlas Familie eine Flut 2006 in ihrem Zelt, w\u00e4hrend links und rechts Sturzb\u00e4che tobten. Danach brachte die Cholera den Tod in die Lager.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1474\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/muha-kuppel-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die neue Nahrungskuppel in Najlas Garten soll bald ergr\u00fcnen. Najla zeigt ihrem Sohn Muha, wo der erste Knoblauch spriesst.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Was Najla umtreibt, ist weniger die Flutgefahr als das Trinkwasser. In ihrem Haus recycelt sie jeden Tropfen. Giesst sie die Pflanzen vor dem Haus, tr\u00f6pfelt das Wasser durch den Sand zur\u00fcck in ein Reservoir. Sie sagt: \u00abDie Angst, nicht genug Wasser zu haben, bestimmt meinen Alltag.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mohammed kultiviert Widerstand<\/h3>\n\n\n\n<p>Umso wichtiger, dass jeder Tropfen die Pflanze erreicht, findet auch Mohammed Salem. Der junge G\u00e4rtner steckt in einem Blaumann und gr\u00fcsst mit breitem L\u00e4cheln. Er f\u00fchrt in eine von gestapelten Autoreifen umrahmte Oase im Lager Smara, die er vor acht Jahren \u00abNomads Garden\u00bb taufte. Hier, neben dem Haus seiner Eltern, mache er \u00abUnm\u00f6gliches m\u00f6glich\u00bb. Enten pl\u00e4tschern in einem Teich und Schweizer Ziegen bl\u00f6ken im Stall. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Mohammed redet, klemmt er den linken Fuss an den rechten Unterschenkel, wie ein Flamingo. Er weiss: Sch\u00f6n sieht sein Garten nicht aus. Aber das Chaos ergibt Sinn: \u00abIch will nicht den gr\u00fcnsten Garten in der W\u00fcste hegen, sondern herausfinden, was hier am besten w\u00e4chst.\u00bb Hin und wieder l\u00e4dt Mohammed auch Najlas Bibliothekskinder ein. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1465\" style=\"width:647px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-10-von-38-min-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mohammed Salem wagt wilde Experimente in seinem Garten.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mohammed zeigt auf einen Brunnen, den er zwei Meter tief in die Erde einliess und der auf 5000 Plastikflaschen fusst. Von hier pumpt er das Brackwasser an, das die Sahrauis fr\u00fcher tranken, bis internationale Hilfe die Haushalte erreichte. Wie es um die fossilen Wasserquellen steht, h\u00e4lt die Befreiungsbewegung der Polisario-Front unter Verschluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00abNomads Garden\u00bb filtern Sand, Kohle und Steine Schadstoffe aus dem Wasser. B\u00e4ume spenden dem Gem\u00fcse Schatten. Sein Garten ist Labor, Schule und Ort des Widerstands zugleich. Denn langfristig soll hier ein Gartenprototyp f\u00fcr alle entstehen \u2013 und damit ein Gegenpol zum Kolonialismus. Die marokkanische Armee vertrieb Mohammeds Vorfahr:innen aus der Westsahara, um Ressourcen wie Phosphat auszubeuten. Mohammed hingegen \u00abwill vom Boden leben, ohne Menschen oder die Umwelt zu verletzen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Mohammeds Geheimrezept? \u00abIch scheitere die ganze Zeit.\u00bb Die Hitze versengte seine Schildkr\u00f6ten, ein Fuchs frass die Enteneier, eine Ziege sprang \u00fcber den Zaun und das Gem\u00fcse verdarb. \u00abAnfangs lachten mich alle aus.\u00bb Die Sahrauis zogen jahrhundertelang durch die W\u00fcste, waren nie sesshaft. Doch Mohammed verliebte sich in das, was er als einen Mix aus Landwirtschaft und Kunst versteht. Und er lernt mit jedem Tag dazu: Er analysiert, wie die Schatten fallen, z\u00fcchtet hitzefeste Ziegen, sp\u00fcrt Finanzquellen auf \u2013 und h\u00f6rt den \u00c4ltesten zu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1475\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/plants-in-cups-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im \u00abNomads Garden\u00bb setzt Mohammed Keimlinge in Plastikbecher, um sie nach ein paar Wochen umzupflanzen oder zu verschenken.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Immer wieder besucht Mohammed seine \u00e4lteren Nachbar:innen, die als Nomad:innen lebten und lernt von ihnen. \u00dcber seine Begriffe wie \u00abNachhaltigkeit\u00bb oder \u00abM\u00fcllmanagement\u00bb schmunzeln sie. Nichts anderes h\u00e4tten sie all die Kindheitsjahre praktiziert, nur eben nie so genannt. Ihr Wissen m\u00fcsse bewahrt werden, sagt Mohammed.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Taleb begr\u00fcnt die W\u00fcste<\/h3>\n\n\n\n<p>Taleb Brahim erinnert sich an das Leben als Nomade. Mit sechs Jahren floh er aus der Westsahara. Heute schreibt er die Regeln der W\u00fcste neu. Mohammed lernt von Taleb, dem ersten und einzigen Agraringenieur in den Lagern. Taleb studierte in Syrien und legt seit 2002 Hunderte Familieng\u00e4rten an. Er beweist: Auch im Sand kann etwas wachsen. Er erfand eine Methode, ohne Erde Gras f\u00fcr Kamele und Gem\u00fcse anzubauen. Dabei nutzt er Symbiosen zwischen Fischteichen und Kr\u00e4utern und errichtet \u00abNahrungskuppeln\u00bb. Mittlerweile exportiert Taleb seine Ideen in Fl\u00fcchtlingslager in Mali, im Tschad, in Niger, bewarb sie in Deutschland und der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p>In den sahrauischen Lagern stehen die Familien Schlange f\u00fcr Talebs G\u00e4rten. Als er vor 20 Jahren eine Frau auf dem Markt die ersten eigenen Tomaten verkaufen sah, habe ihn eine Welle des Gl\u00fccks erfasst. Taleb sagt: \u00abMeine Arbeit hat etwas ver\u00e4ndert. Menschen begannen zu hoffen, weil sie sp\u00fcrten: Wir k\u00f6nnen in dieser harschen Umwelt \u00fcberleben.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1462\" style=\"width:647px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/nit_1225_Algerien_Sahrawirefugeecamp-25-von-38-min-3-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Taleb Brahim war der erste, der im grossen Stil G\u00e4rten in den Lagern schuf.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Talebs G\u00e4rten zeigen, was auch noch unter weltweiten Klimaextremen wachsen w\u00fcrde. In seinem Gew\u00e4chshaus err\u00f6ten f\u00fcnf Tonnen Tomaten. Jede einzelne Pflanze bindet Taleb mit einer Schnur an die Decke, nimmt die Stiele z\u00e4rtlich zwischen die Finger. Nebenan experimentiert er mit Safran und Ananas \u2013 Luxusg\u00fcter, die die Sahrauis f\u00fcr ihre Nahrung eintauschen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Nahrungskuppeln bieten Ausfl\u00fcchte, dem Lagerstaub zu entkommen. Zerreibt man die frische Minze zwischen den Fingern, \u00f6ffnet das den eingestaubten Sinneskosmos.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die \u00abKinder des Meeres\u00bb lernen zu g\u00e4rtnern<\/h3>\n\n\n\n<p>Talebs G\u00e4rten reichen nicht aus, die Sahrauis mit Gem\u00fcse zu versorgen. Zudem sp\u00fcren sie Klimaextreme, Pandemie- wie Kriegsfolgen besonders stark. Dennoch birgt ihre Krise das Potenzial, eine andere Geschichte zu erz\u00e4hlen \u2013 eine der M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein anderes Leben. Etwa dar\u00fcber, wie wichtig die Gemeinschaft zum \u00dcberleben ist, \u00abweil das Leben besser ist, wenn man es teilt\u00bb, wie Najla sagt. Und dar\u00fcber, wie essenziell es ist, nach einem Tiefschlag neu aufzubauen und krisenfester anzus\u00e4en. Wie wichtig, sich das Wissen der Vorfahr:innen anzueignen und an die Kinder weiterzugeben. Und das Wohl von Kamelen, B\u00e4umen, Samen und Wasser mitzudenken. Najla sagt: \u00abDie Klimakrise hat mein Denken ge\u00f6ffnet und l\u00e4sst mich Nichtmenschliches in mein Handeln integrieren.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1476\" srcset=\"https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-300x200.jpg 300w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-768x512.jpg 768w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-18x12.jpg 18w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-272x182.jpg 272w, https:\/\/mark-schoder.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ende-taleb-najla-moha-720x480.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">K\u00fcnstler Mohamad Suleiman, Taleb Brahim und Najla Mohammad-Lamin diskutieren \u00fcber die Anbaumethoden der Zukunft.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Lager Smara pinselte K\u00fcnstler Mohamad Suleiman Wellen an die Wand der Bibliothek. Darunter schrieb er: \u00abKinder des Meeres\u00bb.&nbsp; Najla sagt: \u00abDie \u00c4ltesten erz\u00e4hlen von der Westsahara und wie dort alles anders ist: Der Wind weht k\u00fchl und die Luft ist sauber.\u00bb Wenn sie zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie zuerst zum Meer reisen: \u00abWie muss es sich anf\u00fchlen, das Wasser zu sp\u00fcren, zu schwimmen und zu fischen?\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren drang die Kolonialmacht Marokko in die Westsahara ein. Tausende Sahrauis flohen in die lebensfeindliche Hamada-W\u00fcste, wo sie seitdem in Fl\u00fcchtlingslagern ausharren. Dort legen immer mehr Familien G\u00e4rten an: Oasen des Widerstands, aus denen sie Hoffnung sch\u00f6pfen. Diese Reportage folgt vier Menschen, die eigene Wege des \u00dcberlebens suchen. Text und Bilder: Mark SchoderPortr\u00e4tbilder: Niklas Thalmann Als vor Kurzem ihre Oma im Lager starb, begann etwas in Fatima Baschir zu welken. 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